Ein Vagabund im Garten: Akelei aussäen

Akeleien gehören zu den Stauden, die gerne durch den Garten ziehen und blühen, wo sie wollen. Ich lasse es mir nicht nehmen, ihre Wanderlust ein wenig zu steuern.

Akeleien haben die Wanderlust in ihren Genen verankert

Nun stehen sie da, die vertrockneten Samenstände meiner Akeleien (Aquilegia vulgaris). Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass ihre Blüten im Frühsommer den Schrebergarten bevölkerten. Gut zu wissen, dass sie das auch nächstes Jahr wieder tun werden! Denn Akeleien säen sich selbstständig gut aus und lassen ihre schwarzen, glänzenden Samen einfach fallen, wo sie stehen. Viele trägt aber auch der Wind mit sich fort und verfrachtet sie in andere Beete oder Fugen, die sie gleichermaßen unbeirrt erobern.

Elfentanz mit Akeleien
Ein Bändchen hilft, die violette Akelei nach der Blüte wiederzufinden. Foto: Nicolai Stephan

Ich liebe es, wenn Akeleien überraschend ein neues Terrain erobern. Doch hin und wieder treiben die Hahnenfußgewächse es doch zu bunt! Sobald sie meine Kräuter und Sommerblumen verdrängen, jäte ich sie auch mal beherzt. Oder ich schneide ihre trockenen Stängel samt ihrer Fruchtstände ab und spiele selbst Schicksal. Einmal hatte ich die Idee, dass es doch schön für alle wäre, wenn meine Akeleien vor meinem Zaun sichtbar den Gehsteig schmücken. Also nahm ich die trockenen Samenstände und fuhr damit beherzt ratternd von außen am Zaun entlang. Siehe da – im Herbst lugten kleine Pflanzen unter den Latten hervor. Ein andermal fand ich, dass der Nachbargarten mehr Blüten vertragen könnte und schüttelte büschelweise die Samenkapseln im Dunkel der Nacht über seine hölzerne Sichtschutzwand aus…ein bisschen Guerilla-Gardening darf schon sein 😉

Elfentanz im Blumenbeet - Vielfalt der Farben und Formen

Akelei Aquilegia
Foto: Olaf Szczepaniak

Ich bin jedes Jahr begeistert, mit wie viel Anmut die Blumen meinen Garten verzaubern. Gern auch an Plätzen, wo ich es nicht geplant habe! Bei mir haben sich eindeutig die zartrosa Akeleien im Garten durchgesetzt. Nur eine tanzt inmitten der Blütenschar aus der Reihe und leuchtet in einem samtigen Violett. Deshalb werde ich, ohne mir viel davon zu versprechen, ihre Samen sammeln. Vielleicht überrascht mich der launische Nachwuchs im nächsten Jahr. Wenn du Sämlinge deiner Lieblingssorte erhalten möchtest, solltest du die Akeleien abschneiden bevor die Samen ansetzen. Denn bei der Befruchtung der Blüten kann es durchaus drunter und drüber gehen 🙂

Insgesamt gibt es rund 120 Akelei-Arten. Bei uns weit verbreitet und Ausgangsbasis für zahlreiche Sorten ist die Gemeine Akelei (Aquilegia vulgaris). Auch von der aus Nordamerika stammenden Aquilegia caerulea stammen etliche Züchtungen ab, ebenso wie von der in Nordjapan heimischen niedrigen Kurilen-Akelei Aquilegia flabellata. Aus Kreuzungen unterschiedlicher Arten entstanden außerdem viele Gruppen und Serien, von denen immer wieder neue Sorten angeboten werden. Oft im Frühjahr auch als blühende Pflanzen im Topf.

Der Zeitraum der Aussaat hängt von den jeweilgen Arten ab

Akeleien lassen sich durch Aussaat prima vermehren. Um zu verstehen, warum Akeleien bei verschiedenen Temperaturen keinem, muss man wissen, dass es verschiedene Arten gibt. Einige stammen aus dem alpinen und gemäßigten Zonen. Dazu zählen Alpen-Akelei (Aquilegia alpina), Dunkle Akelei (Aquilegia atrata) und Gewöhnliche Akelei (Aquilegia vulgaris). Diese sind ihrer Herkunft entprechend Kaltkeimer. Ihre Samen sollten mindestens vier Wochen lang einer Kältephase um 5 Grad Celsius ausgesetzt sein, damit sie keimen, damit die Samen keimfähig werden. Anders verhält es sich bei den Hybriden, die mit Aquilegia caerulea gekreuzt wurden. Sie brauchen keine Kältephase, um zu keimen!

Am besten sät man Akeleien im Frühjahr aus. Du kannst sie im Februar bis März auf der Fensterbank oder im Gewächshaus vorziehen. Oder ihre Samen von Mitte April bis Mitte Mai direkt ins Beet säen. Jetzt Achtung: Die Kaltkeimer unter den Akeleien sollten im zeitigen Frühjahr ausgesät werden. Alternativ klappt auch eine Aussaat im Herbst.

3 Tipps rund um die Aussaat

  • Die Samen von Akelei sind sehr klein. Damit du sie gleichmäßiger verteilen kannst, vermischst du sie mit eine kleinen Schaufel  trockenem Sand (das klappt auch gut bei Möhren 🙂
  • Da die Samen von Akeleien ungleichmäßig keimen, lohnt es sich, ein paar mehr auszusäen.
  • Akeleien sind Lichtkeimer. Also darfst du sie beim Vorziehen nicht oder nur wenig mit Erde bedecken. Gleiches gilt natürlich auch für die Aussaat im Beet.  

So schenkst du den Stauden ein langes, gesundes Leben

Akeleien zählen zu den kurzlebigen Stauden. Deshalb wachsen sie nur wenige Jahre an Ort und Stelle. Nach der Blüte wird ihr Laub etwas unansehnlich, vor allem, wenn man die Samen ausreifen lässt. Schneidet man alles Verblühte frühzeitig ab, bleiben Akeleien vitaler und überraschen im Spätsommer manchmal mit ein paar Blüten. Ich lasse die Schere lieber im Schrank und warte stattdessen, dass meine Katzenminzen und Storchschnabel ihre Blätter kaschieren.

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