Erst gestern sah ich einen kleinen Schatten durch das Geißblatt an meiner Terrasse huschen. Doch als ich den Zaunkönig im Zweigwerk entdeckte, war er auch schon wieder weg. Diesen kleinen Kerl will ich einfach öfters sehen! 

Foto: Elisabeth Kögel

Ein Zaunkönig. Lautstark zwitschernd. In meinem Garten? Das kann ich nur als Kompliment verstehen. Der braune Mini-Vogel mit dem steil aufgerichteten Schwanz stattet nämlich nicht jedem einen Besuch ab. Nur wilde Ecken mit dichtem Buschwerk sind nach seinem Geschmack. Als Insektenfresser sucht er im Gestrüpp und auf krautigen Flächen nach Mücken, Faltern und anderen Krabbeltieren. Und letztendlich brütet er nur dort, wo die Äste in Bodennähe dicht zusammenstehen und neugierige Blicke draußen bleiben.

Das heißt dann wohl, dass es bei mir richtig wild aussieht. Naja, in einigen Ecken vielleicht schon: In der einen stapeln sich die Äste mancher Schnittaktionen, in der anderen häuft sich der Kompost und dichte Haseln verstecken stellenweise meinen Zaun.

Ich nehme an, dass der Zaunkönig ein neues Zuhause sucht. Denn das Nachbargrundstück, wo die Natur Jahrzehnte ohne Limit lang machen durfte , was sie wollte, gibt es so nicht mehr. Weil vor kurzem die Bagger kamen. Seitdem klafft eine große Lücke, wo kürzlich noch Dornröschen hätte selig schlummern können.

Kein Wunder, dass den Zaunkönig hier nichts mehr hält. Es sei denn, ich biete ihm schnell Alternativen an. Als erstes hänge ich eine Zaunkönig-Kugel in den Haselbusch. Ganz nach unten, in Bodennähe. Dort baumelt die stabile Nisthilfe aus Holzbeton mit dem Schlupfloch nach Osten. Weil Zaunkönige ihren Königinnen immer verschiedene Nistplätze zur Auswahl bieten, türme ich zudem noch geschnittene Äste auf den bereist vorhandenen Stapel und lasse den Häcksler dieses Jahr aus. Für eines der beiden Domizile wird sich das Paar hoffentlich entscheiden. Drückt mir die Daumen!