Wer ist die Schönste im ganzen Land und ein toller Vogelfutter-Lieferant? Natürlich die Sonnenblume. Ich kenn niemanden, der die Grande Dame des Gartens nicht mag.

Foto: Nicolai Stephan

Inklusive mir. Denn sie hat Charme, innere Größe und inspiriert kleine und große Gärtner zum Wetteifern. Ich schreibe hier natürlich über die bekannte hohe einjährige Gewöhnliche Sonnenblume (Helianthus annuus), deren Samen ich jedes Jahr im Mai am Zaun entlang aussäe. Weil ich sie dort gut anbinden kann und mich freue, wenn Spaziergänger im Schrebergarten verzückt ihre Riesenblüten anstaunen. Zu deren Überraschung überziehe ich einige Blüten vor der Samenreife mit einem luftdurchlässigen Vlies. Aber nur so können alle Samen ohne Vogelbesuch in Ruhe ausreifen.

Sobald sie reif sind, schneide ich die Blüten ab und lege sie in eine Schale. So hab ich Freude an den leckeren Schmuckstücken und die Vogelschar auch.

Welche Sonnenblume darf es sein?

Die Ziersorten von Helianthus annuus stammen alle von der Wildart ab, die spanische Eroberer um 1550 aus Südamerika nach Europa gebracht hatten. Es gibt Minis, die nur einen halben bis einen Meter groß werden, und übermannshohe Sorten wie ‚Hohe Riesen‘, ‚Gelber Diskus‘ und ‚King Kong‘, die im Spurt zwei bis fünf Meter Höhe schaffen. Zu den Riesen zählt auch die Sorte ‚Snack.‘ Sie ist ein Garant für viele leckere Kerne!

Beim Auswählen ist mir aufgefallen, dass der Handel immer mehr pollenfreie Sonnenblumen anpreist. In einer Zeit wo Bienen zum Liebling Nr.1 der Marketing-Abteilungen und Werbeagenturen aufgestiegen sind, erschloss sich mir der Sinn nicht. Aber plötzlich ploppte ein Gedanke auf: Es geht um den klebrigen Pollen der Schnittblumen auf häuslichen Tischdecken und empfindsamen Holzmöbeln! Manchmal muss man sich im Leben einfach entscheiden…ich bin ganz bei den Insekten. Erst mit gelben Blütenblättern anlocken und dann ist da: Nichts! Geht gar nicht.

Warum guckt ihr so?

Wer einmal ein Feld mit Sonnenblumen gesehen hat, dem ist bestimmt aufgefallen, dass alle Blüten in die gleiche Richtung blicken. Junge Sonnenblumen schauen der Sonne hinterher. Beim Drehen profitieren sie von dem zusätzlich aufgenommenen Sonnenlicht und wachsen schneller. Die Drehung der Pflanzen resultiert aus ungleichmäßigem Wachstum im Stängel. Eine Seite wächst schneller in der Nacht, die andere am Tag. Gesteuert werden diese Prozesse von einem eigenen Rhythmus und vom Sonnenlicht. Ab einem gewissen Alter blicken Sonnenblumen stets nach Osten. Durch die aufgehende Sonne werden die Blüten schnell erwärmt und sind für Insekten offenbar attraktiver, die zugleich als Bestäuber fungieren.