Historisches Gemüse Dicke Bohne wiederentdeckt

Dicke Bohnen hatten es in den letzten Jahrzehnten nicht leicht im Gemüsegarten zwischen frühen Möhren und Salaten einen Platz zu finden. Nun sind sie wiederentdeckt worden. Und das zu Recht! Das traditionelle Gemüse sieht toll aus und ist pflegeleicht. Ihre Kerne krönen so manch leckere Mahlzeit.

Wiederentdeckt: Dicke Bohnen für Küche und Garten

Nach 90 Tagen reifen am unteren Stängelabschnitt die ersten Hülsen, die anfangs grünlich und bei Vollreife braun bis schwarz sind. Sie werden 10 bis 20 Zentimeter lang und ein bis drei Zentimeter dick.

Die Dicke Bohne, auch unter Namen Puffbohne, Pferdebohne oder Saubohne bekannt, wurde in Europa im Mittelalter lange Zeit als ein eiweißreiches Gemüse sehr geschätzt. Insbesondere in Norddeutschland. Zusammen mit Gerste, Hafer und Roggen gehörte die Dicke Bohne zu den ersten Nahrungspflanzen der norddeutschen Tiefebene. Da sie sogar etwas salzverträglich ist, war sie neben Kohl und Sellerie sehr gut für den Anbau in den Marschen geeignet. 

Die Dicke Bohne hat es geschafft, Jahrhunderte später immer noch in den Gemüsegärten präsent zu sein. Was dazu führte, dass in den siebziger Jahren bei uns Zuhause jedes Jahr Dicke Bohnen mit Speck oder deftiger Wurst serviert wurden. Ich hatte als Kind nichts gegen eine deftige Wurst einzuwenden, aber für die Dicken Bohnen in der sämigen Soße konnte ich mich so gar nicht begeistern. Dann sich doch lieber verdrücken… und Pfannkuchen mit roter Brause in der Nachbarschaft abräumen 🙂

Erst vor ein ein paar Jahren bin ich kulinarisch wieder auf die Dicken Bohnen gestoßen. In Form von leckerem Püree und als blanchierte junge Kerne – verfeinert mit Salz und Olivenöl. Seitdem baue ich das Gemüse in meinen Garten an. 

Dicke Bohnen - Frühes Gemüse und seine Vorlieben

Bohnen sind dafür bekannt, dass man sie auf keinen Fall roh essen sollte, denn sie enthalten giftige Phaseoline, unter anderem das Phasin. Bei den Dicken Bohnen verhält es sich anders. Denn botanisch gesehen gehören sie nicht zu den Bohnengewächsen, sondern zu den Wicken. Als solche enthält die Dicke Bohne nur einen Bruchteil der giftigen Eiweißverbindungen, die in den anderen Bohnen stecken.

Auch sonst hat die Dicke Bohne wenig mit ihren „entfernten“ Verwandten gemeinsam. Von Windstille und Wärme hält sie gar nichts. Sie liebt vielmehr kühle Temperaturen und den frischen Frühlingswind. Insofern zählt die Dicke Bohne neben Spinat und Möhren zu den frühesten Gemüsen im Garten. In warmen Gegenden kann man sie bereits ab Ende Februar aussäen. Da ich in Norddeutschland lebe, säe ich meine Dicken Bohnen erst in der 2. Märzwoche aus – im Hochbeet, wo die Erde nicht mehr ganz so nass ist.

Ich habe gelesen, dass selbst Temperaturstürze von 5 °C unter Null für die Sämlinge kein Problem sein sollen. Da bin ich skeptisch und schütze die aufgelaufene Schar bei Spätfrösten lieber mit einem Vlies. Es lohnt sich, Dicke Bohnen möglichst zeitig auszusäen. In der Regel entwickeln sich früh ausgelegte Samen rasch und setzen mehr Blüten und Hülsen an. Spät gesäte Dicke Bohnen blühen im Vergleich schneller auf, bilden aber weniger Hülsen aus. Außerdem schlägt man der Schwarzen Bohnenlaus, die meist erst im Mai auf der Bildfläche erscheint, ein Schnippchen. 

Puffbohnen werden innerhalb einer Reihe in einem Abstand von 15–20 cm ausgelegt, der Abstand zwischen den Reihen sollte 50–60 cm betragen . Die Samen legt man etwa 5 cm tief in die Erde. 

TIPP: Es lohnt sich für eine schnelle, gesunde Keimung die Dicken Bohnen über Nacht in warmen Kamillentee einzulegen!

So klappt es mit dem Anbau der Dicken Bohne!

Dicke Bohne_Blüten
Ab Mitte Mai erscheinen in den Blattachseln große duftende Schmetterlingsblüten.

Die Saison der dicken Bohnen ist kurz. Sie verläuft zwischen Mitte Februar/Anfang März und Mitte Mai/Ende Juni. Dann wird es dem Gemüse zu warm. Dicke Bohnen brauchen viel Wasser, insbesondere während der Blüte. Damit sie nicht umkippen, häufelt man die Pflanzen während des Wachstums 2–3 Mal am Stängelgrund an. Höheren Sorten stelle ich trotzdem eine Stütze zu Seite. 

Dicke Bohnen sind als Schmetterlingsblütler gute Vorfrüchte. An ihren Pfahlwurzeln  sitzen Knöllchenbakterien, die Stickstoff aus der Luft filtern und den Pflanzen zur Verfügung stellen. Sie fühlen sich in einem tiefgründigen, kalkhaltigen und nährstoffreichen Boden am wohlsten. Saure Böden kalkt man am besten vor der Aussaat. Meist reicht auch eine Gabe vier bis sechs Liter reifen Kompost pro Quadratmeter, den man oberflächlich in den Boden einarbeitet. Denn Komposterde enthält in der Regel viel Calcium. 

Schwarze Bohnenläuse auf der Dicken Bohne

Anbau der Dicken Bohne
Dicke Bohn eim Garten annauen

Gestresste junge Dicke Bohnen sind eine leichte Beute für die Schwarze Bohnenlaus. Man kann die Läuse vertreiben, indem man Rhabarbertee oder Knoblauchsud versprüht oder die befallenen Triebspitzen ausbricht. Im Gegensatz zu mir haben die Ameisen ihre Freude an den schwarzen Läusen. Sie melken fleißig den Honigtau. Wenn es nicht zu viele Läuse sind, betrachtete ich das Szenario relativ gelassen. Es gibt viele Nützlinge in meinem Garten, die Läuse zum Fressen gern haben.

Ernten und Aufbewahren vom Trendgemüse Dicke Bohne

Je nach Sorte und Witterung reifen die Hülsen 90 bis 120 Tage nach der Aussaat. Die Bohnen lassen sich mit den Fingern aus den samtweich ausgefütterten Hülsen leicht auspulen. Junge Kerne schmecken am besten. Man erkennt sie daran, dass die Schale noch schön zart ist und die Kerne blassgrün oder milchig-weiß aussehen.

Wenn du deine Dicken Bohnen nicht sofort essen willst, belasse die Bohnenkerne in den gepflückten Schalen. Lose würden die Kerne innerhalb eines Tages verderben. Am besten bewahrst du die Schoten der Dicken Bohnen im Kühlschrank auf. Dort halten sie einige Tage. Du kannst die Bohnenkerne aber auch einfrieren. Dafür musst du die geputzten und gewaschenen Kerne für etwa drei Minuten blanchieren. Anschließend abkühlen lassen, verpacken und einfrieren. Sie bleiben etwa 12 Monate lang frisch.

Viele tolle Sorten des traditionellen Gemüses

Dicke Bohnen sind nicht nur lecker, sondern auch sehr schön anzuschauen! Sobald sich ihre Blüten öffnen, lässt sich die Zugehörigkeit zu den Wicken nicht verleugnen. Es gibt weißblühende Sorten, deren Kerne beim Kochen grün oder weiß bleiben, zum Beispiel ‘Dreifache Weiße’ oder ‘Hangdown’. Viele ältere Sorten tragen schwarze Flecken auf ihren weißen Blüten. Ihre Kerne verfärben sich beim Kochen bräunlich und sie haben einen kernigeren Bohnengeschmack als die milden grünen Sorten. Dazu gehören  ‘Witkiem’ oder ‘Piccola’. Rote Blüten trägt die Sorte ‘Rotsamige’.

Fotos: Nicolai Stephan (4); Antje große Feldhaus (1)

3 Gedanken zu „Historisches Gemüse Dicke Bohne wiederentdeckt“

  1. Super Artikel über die Dicke Bohne!
    Habe meine neulich gelegt – weil wir jetzt in Urlaub sind, und danach ist es fast zu spät.
    Übrigens: Dass wir alles „Bohne“ nennen, macht es uns nicht wirklich leicht, zwischen botanisch phaesolus und vicia faba zu unterscheiden.

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