Algenkalk – ein Dünger mit vielen Talenten

Fotos: Nicolai Stephan

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Algenkalk ist ein sehr guter Nährstofflieferant und sorgt für einen locker-krümeligen Boden. Aber er kann noch mehr! Er macht verschiedenen übergriffigen Insekten und krankheitserregenden Pilzen das Leben ganz schön schwer.

Die Verlängerung vom Pulverzerstäuber „Bobby“ sieht lustig aus, aber mit ihrer Hilfe kann man das Algenpulver direkt auf tiefer sitzende Blätter im Buchsbaum stäuben. Wichtig beim Verteilen ist, dass der Wind das Algenpulver von einem weg weht.

Als Weißanstrich an Obstbäumen ist Algenkalk schon lange bekannt. Auch seine positive Wirkung auf den Buchsbaumpilz Cylindrocladium hat sich bereits herumgesprochen. Aktuell wird er als Wunderwaffe gegen den Buchsbaumzünsler gehandelt. Und tatsächlich scheint ein Besprühen der kleinen Buchsbaumblätter mit Algenkalkpulver weder dem Pilz noch den Falterraupen gut zu tun.

Da ich im vergangenen Jahr einige Zünslerfalter in meinem Garten herumflattern sehen habe, besprühe ich meine Buchsbäume seit März/April alle sechs Wochen prophylaktisch bis tief ins Geäst mit einer Schicht Algenkalk. Und hoffe, dass die feine Pulverschicht auf den Blättern verhindert, dass sich aus den Eiern keine Raupen entwickeln.

Algenkalk verdirbt im Gemüsegarten Käfern den Appetit

Im Gemüsegarten setze ich Algenkalk als Dünger und Pflanzenstärkungsmittel ein. In verteile ihn im Frühling als Granulat im Boden, um der Kohlhernie vorzubeugen. Auch die Kartoffeln bekommen eine Gabe Algenkalk. Denn ich habe gelesen, dass ihre Knollen dann besser keimen und die Kartoffeln resistenter gegen Nematoden sind. Sobald die Gemüse ein paar Blätter mehr haben, versprühe ich mit einem Pulversprühgerät gezielt eine sehr dünne Schicht pulvrigen Algenkalk gegen Erdflöhe. Meist haben sie es auf die Kreuzblütler abgesehen. Dazu zählen die Mitglieder der großen Kohlfamilie, aber auch Rettich, Radieschen, Asia-Salate und Rucola. Die sprunghaften zwei bis drei Millimeter kleinen Käfer sind kaum zu sehen, perforieren die Blätter aber derart, dass man fast hindurchgucken kann. Und auch dem Kartoffelkäfer verderbe ich den Appetit, sobald ich die Kartoffelblätter mit Algenkalk einstäube.

Das Problem hatte ich zwar zum Glück noch nicht: Aber Algenkalk hilft wohl auch bei akuter Blütenendfäule von Tomatenfrüchten, indem man die betroffenen Pflanzen düngt und hinterher angießt. Zudem soll er Verletzungen an Tomaten heilen, in dem man die Stellen mit einer Schicht Algenmehl einsprüht.

Eine feine Schicht reicht, um die Blätter vom Rosenkohl vor Erdflöhen und Kartoffelkäfer zu schützen.
Einmal den Blasbalg drücken und schon pustet „Bobby“ den Algenkalk gezielt in Richtung Kartoffeln und Rosenkohl.

Algenkalk hilft bei Läuseinvasionen in den Beeten

Feucht-warmes Wetter kurbelt die Läusevermehrung an. Wenn es zu viele werden, sprühe ich sanfte Spritzmittel auf der Basis von Kaliseife oder Rapsöl. Sie wirken gut, wenn ich sie frühzeitig einsetze und darauf achte, auch die Blattunterseiten und Stängel zu benetzen. Auch das Bestäuben mit einer hauchfeinen Schicht  Algenkalk hilft, indem es die Atemwege der Insekten verstopft.

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Tipp: Algenkalk hilft bei akuter Blütenendfäule von Tomatenfrüchten, indem man die
betroffenen Pflanzen düngt und hinterher angießt. Zudem soll er verletzte Stellen an
Tomaten heilen, in dem man die Stellen mit einer Schicht Algenmehl einsprüht.

3 Gedanken zu „Algenkalk – ein Dünger mit vielen Talenten“

  1. Liebe Antje, ein sehr spannender und wunderschön bebilderter Artikel!

    Zu dem Kalk im Garten habe ich ein ganz besonderes Verhältnis, weil wir am Meer in leicht säuerlichem, sandigen Boden gärtnern. Ich war anfangs enttäuscht, dass einige meiner Lieblingspflanzen, wie Christ- und Lenzrosen, Schneeglöckchen, alle mediterranen Schönheiten und sogar die kleinen lila Leberblümchen, die ich vorsichtig aus dem Garten meiner Eltern 800 km bis zu uns an die Ostsee transportiert habe einfach nicht gedeihen wollten. Auf Insta habe ich von einer gelernten Gärtnerin den Tipp mit dem Kalk bekommen, und jetzt fühlen sich auch diese Pflanzen bei mir wohl, wachsen und gedeihen. Kalk bekommen in kleinen Mengen bei mir: Der gesamte Gemüsegarten, der Beerengarten (außer die Heidelbeeren), die Obstbäume, der Buchs. Wichtig finde ich auch zu erwähnen (für Leute wie mich, die nicht vom Fach sind), dass es auch Pflanzen gibt, die den Kalk überhaupt nicht mögen. Zum Beispiel Hortensien, Glockenheideeide, Heidelbeeren, Schlangenbart, Rhododendron, Kamelien, Magnolien, Hauswurz, chinesischer Blauregen.

    Auch ich will im nächsten Jahr den Buchsbaum mit Algenkalk behandeln. Bisher habe ich auf Empfehlung der Gärtnerin unserer Staudengärtnerei einfachen Gartenkalk verwendet. Ich habe aber jetzt gelesen, dass der Algenkalk zwar zum größten Teil ebenfalls aus Calciumcarbonat besteht, aber auch Magnesiumcarbonat, Kieselsäure, und zahlreiche Spurenelemente wie Bor und Jod enthält. Etwas verwirrt war ich anfangs über den hohen Kalkgehalt in den Algen. Aber der Algenkalk wird aus fossilen, also versteinerten Rotalgen abgebaut.
    Was sagst Du Fachfrau zu Akgenkalk versus Gartenkalk? Kann man bedenkenlos den Gemüsegarten jedes Jahr leicht kalken oder gibt das auf die Dauer Probleme? Man sagt bei den Bauern ja Kalk würde reiche Väter, aber arme Söhne machen?
    Herzliche Grüße Marion

    Antworten
    • Liebe Marion,
      vielen lieben Dank für dein sehr bereicherndes Input!
      Kalk ist ein wichtiger Bodendünger. Sobald er in den richtigen Mengen im Boden vorhanden ist, sorgt er für eine gut belüftete Bodenstruktur mittels Bildung von Humus-Ton-Komplexen, die Wasser und Nährstoffe speichern. Zudem neutralisiert Kalk die Bodensäure und wirkt so einer schleichenden Bodenversauerung entgegen.
      Wenn der Boden zu wenig Kalk enthält, sind die Pflanzennährstoffe schlecht verfügbar, das Bodenleben verarmt und die Krümelstruktur leidet.
      Kalk nach Belieben zu verteilen, ist heikel, denn auch ein Zuviel kann langfristig negative Folgen haben. Große Mengen Kalk im Boden fördern nämlich den Abbau von Humus. So werden kurzfristig zwar viele Nährstoffe freigesetzt, langfristig laugt man aber den Boden aus. Mit einem schwindenden Humusgehalt verschlechtert sich die Bodenstruktur und das Speichervermögen für Luft, Wasser und Nährstoffe nimmt ab.

      Der Kalkgehalt lässt sich über den Säuregrad messen. Das Maß für den Säuregrad des Bodens ist der pH-Wert. Du kannst ihn mit einem handelsüblichen Test-Set selbst bestimmen oder (genauer) über eine Bodenprobe im Labor bestimmen lassen. Ich finde eine Bodenanalyse für dein Gemüsebeet sinnvoll. Denn auf Flächen, die intensiver genutzt und auch gedüngt werden, wie Gemüse- oder Staudenbeete, gerät der Kalkgehalt leichter aus dem Gleichgewicht. Der optimale pH-Wert sollte bei schweren Böden um 7,0 , bei sandigem Lehm um 6,5, bei lehmigen Sand um 5,5 und bei sandigen Böden um 5,5 liegen.
      Die benötiget Menge zum Erreichen des richtigen pH-Werts kannst du der Düngeempfehlung des Bodenlabors oder der Packungsbeilage des pH-Tests entnehmen. Ist der angestrebte pH-Wert erreicht, genügt meist alle zwei bis drei Jahre eine Erhaltungskalkung. Bei sandigen Böden benötigt man etwa 250 Gramm kohlensauren Kalk pro Quadratmeter, um den pH-Wert um eine Stufe zu heben.

      Bei einem normalen Gartenkalk handelt es sich um gemahlenes, schwer lösliches Kalkgestein aus kohlensaurem Kalk mit einem geringen Magnesium-Anteil. Man verwendet ihn für leichte und mittlere Böden und sollte ihn möglichst im Herbst oder Winter ausbringen. Er entfaltet seine Wirkung langsam und schonend. Dolomitkalk eignet sich gut für Pflanzen (zum Beispiel Nadelgehölze) mit einem hohen Magnesiumbedarf.
      Algenkalk ist ein nachhaltig wirkender Dünger und eignet sich auf wenige Ausnahmen für den ganzen Garten geeignet. Das liegt darin begründet, dass er – anders als die anderen Kalkdünger- einen sehr hohen nicht wasserlöslichen Calciumcarbonatanteil (80 %) und einen hohen Gehalt an Magnesium hat. Insofern ist er das perfekte Hilfsmittel für zu saure Sandböden.
      Branntkalk wird in Gärten nicht zum Düngen genommen, da er eine ätzende Wirkung hat.
      Ich kann die für deinen sandigen Boden auch noch das Gesteinsmehl Bentonit empfehlen. Es handelt sich um gemahlenen Ton, der dem Boden das Speichern von Nährstoffen erleichtert. Die darin vorkommenden Tonminerale enthalten nämlich über 50 Prozent wertvolle Kieselsäure. Bentonit ist daher vor allem auf durchlässigen Sandböden gefragt, um Wasser und Nährstoffe im Beet zu binden.
      Herzliche Grüße Antje

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  2. Liebe Antje,
    vielen Dank für Deine ausführliche, sachkundige und sehr hilfreiche Antwort. Dann werde ich mit Betonit experimentieren und tatsächlich einmal eine Bodenanalyse im Gemüsegarten machen!
    Herzliche Grüße
    Marion

    Antworten

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