So gern ich es manchmal auch hätte – Lüneburg liegt nicht im Land der Zitronen. Deshalb ziehen Orangen, Zitronenbäumchen & Co. in ein Winterquartier um. Meines ist zum Glück perfekt!

Foto: Nicolai Stephan

Auch in Sizilien fällt mal Schnee. Doch das lässt Zitruspflanzen erst mal kalt. Was den Immergrünen zum Verhängnis wird, sind anhaltende Temperaturen unter Null, vor allem nachts. Da es sich die letzten Tage recht frostig angefühlt hat, wird es Zeit, meine Zitrusbäumchen ins Winterquartier zu bringen. Aber nicht ins Wohnzimmer, Badezimmer oder in die Küche, denn in beheizten Räumen fühlen sich die mediterranen Pflanzen im Winter nicht wohl. Das perfekte Winterquartier muss kühl und hell sein.

Das perfekte Winterquartier

Zum Glück habe ich gegenüber meinem Büro einen unbeheizten Abstellraum mit Fenstern. Da die Bäumchen im Winter ihre Blätter behalten, brauchen sie Licht und Temperaturen zwischen 5 und 15 °C. Also hinein mit ihnen! Hätte ich einen Wintergarten oder ein kühles, helles Treppenhaus ginge das auch. Generell gilt: Je wärmer der Standort, desto heller sollte es sein! In einem beheizten Wintergarten wachsen die Pflanzen sogar bis in den Januar weiter – vorausgesetzt die Scheiben sind immer gut geputzt.

Ein bisschen Hätscheln bitte

Eines weiß ich, seit mein erstes Zitrusbäumchen das Zeitliche segnete: Im Winterquartier kann ich es nicht einfach sich selbst überlassen. Da die Blätter weiterhin Wasser verdunsten, gieße ich es von Zeit zu Zeit. Ich warte, bis die Erde abgetrocknet ist und wässere so viel, dass sie bis zum Topfgrund durchfeuchtet ist. Gießt man zu wenig, vertrocknen die unteren Wurzeln allmählich. Gießt man so viel, so dass immer Wasser im Untersetzer oder Übertopf steht, entsteht Staunässe. Bei Dauerfeuchte beginnen die feinen Spitzen der Wurzeln zu faulen.

Das Fatale daran ist, dass irgendwann die Blätter welken, weil die Wurzeln kein Wasser mehr transportieren – und man aus Verzweiflung immer weiter gießt. Um auf Nummer sicher zu gehen, stecke ich den Finger in die Erde. Erst wenn die oberen fünf bis sechs Zentimeter trocken sind, gieße ich und entferne jeden Überschuss sofort. Einmal pro Monat gebe ich etwas Zitruspflanzen-Dünger mit ins Gießwasser. Dann bleiben die Blätter schön grün. Auch das richtige Gießwasser verhindert unschöne gelbe Blätter und Kümmerwuchs: Kalkhaltig sollte das Wasser sein, denn Zitrusgewächse brauchen unbedingt Calcium.

Im Winterquartier gesund bleiben

Vor dem Umzug kürze ich sehr lange Triebe mit der Gartenschere ein. Derart schlank gestutzt passen auch noch Oleander, Lorbeer und das Olivenbäumchen ins Winterquartier. Zudem treiben die Zitruspflanzen im Frühling kompakter aus. Hin und wieder lüfte ich den Raum. Denn eine zu hohe Luftfeuchtigkeit fördert Pilzkrankheiten. Unter einem graugrünen Schimmelrasen, der Blüten und Blättchen überzieht, gehen die  Bäumchen im schlimmsten Fall ein. Auch Schildläuse sind keine netten Gäste. Ihre kleinen braunen Schilde sitzen in den Blattachseln oder entlang der großen Blattnerven. Wenn ihr welche habt, nehmt Neem! Damit kann man die gefräßigen Gesellen biologisch gut vertreiben.

Wenn Zitrusbäume immer wieder Blätter verlieren, ist das kein Grund zur Besorgnis. Meist ist es ihnen doch ein wenig zu dunkel. Am besten Nerven behalten – der neue Austrieb kommt bestimmt!

Raus an die Frühlingsluft mit den Zitruspflanzen!

Wenn im Frühjahr keine Spätfröste mehr drohen, kommen meine Zitruspflanzen wieder ins Freie. Jeder Tag mehr an der frischen Luft ist für alle mediterranen Pflanzen ein Plus. Um sie langsam an die UV-Strahlen der Sonne zu gewöhnen, stellt man sie für ein bis zwei Wochen an einen halbschattigen Standort. Denn sonst bekommen die entwöhnten Blätter leicht Sonnenbrand – und das fände ich sehr schade.