Rhabarber braucht der Garten!

Fotos: Nicolai Stephan

Rhabarber kennt jeder. Aber wisst ihr auch, dass es neben den klassischen Sorten auch eine gibt, deren Stängel man bis in den Herbst ernten kann? Oder ob Rhabarber ein Obst oder Gemüse ist? Oder wo Rhabarber gut wächst? Gleich schon!

Rhabarber, Rhabarber...

Am Rhabarber scheiden sich die Geister. Entweder man liebt sein süß-saures Aroma oder findet den Geschmack der Stangen schlimm. Ich bin mit Rhabarber aufgewachsen. In meiner Kindheit prägte er die Nachbargärten und somit auch die traditionellen Nachtische. Die alltäglichen Stippvisiten bei den „Tanten Josefa und Roberta“ bescherten mir zur Rhabarberzeit jede Menge Rhabarberkompott plus Vanillesoße und Kuchenstücke mit hohen Hauben aus Baiser. So war ich quasi verhaftet, ihn lecker zu finden. Zum Glück!

Ich erinnere mich daran, dass ich es komisch fand, wenn der Rhabarber von einem Tag auf den anderen von der Speisekarte gestrichen wurde. Am 24. Juni, dem Johannis-Tag, war immer Schluss. Heute weiß ich natürlich, dass dies grundsätzlich richtig ist. Denn im Laufe des Sommer erhöht sich die Konzentration von Oxalsäure in den Stängeln – und eine hohe Dosis Oxalsäure tut der Gesundheit nicht gut. Aber es gibt noch einen anderen guten Grund, einen Rhabarber im Sommer in Ruhe wachsen zu lassen: Er braucht viel Zeit, um Kraft zu tanken für eine gute Ernte im nächsten Jahr . 

Als Faustregel gilt, dass man nicht mehr als zwei Drittel aller Blattstiele ernten sollte. Insbesondere bei jungen Pflanzen ist es ratsam, die Blüten an der Basis vorsichtig abzudrehen, damit der Rhabarber nicht seine gesamte Energie in die Bildung von Samen steckt. Eine Ausnahme macht die schnell wachsende Sorte Livingstone. Ab dem 3. Jahr kann man durchaus eine seiner gigantischen weißen Blüten stehen lassen.

Ich habe zwei Rhabarber von meiner Vorgängerin geerbt. Nummer eins schwächelt seit ein, zwei Jahren. Er ist wahrscheinlich bereits in einem Alter, in dem man sich nicht mehr komplett verausgaben möchte :). Außerdem hockt er eingepfercht zwischen einem Weg und dem Apfelbaum. Dem zweitem Exemplar schräg gegenüber geht es prächtig. Vielleicht auch, weil er mehr als einen Quadratmeter ganz für sich allein hat – eine Größe, die man mindestens für einen Rhabarber einplanen sollte.

Beide bekommen von mir jedes Frühjahr und nach Ernteschluss 10 bis 15 Liter Kompost geschenkt. Dieser bewirkt wahre Wunder! Wenn es im Sommer zu trocken ist, wässere ich meine Rhabarberpflanzen regelmäßig lange. Und auch ein Blick unter die Blätter lohnt sich: Ich finde dort immer Nacktschnecken, die sich dort vor mir verstecken 🙂

Ab ins Beet: Welcome Rhabarber 'Livingstone'!

Der Herbst ist die beste Jahreszeit, um abgestochene Teilstücke von Rhabarber umzupflanzen. Die Temperaturen sind moderat, der Boden ist noch warm und man muss nicht so viel gießen. Wird er in Töpfen angeboten, kannst du Rhabarber natürlich auch im Frühling pflanzen. Die Gemüsestaude fühlt sich nur auf  feuchten, durchlässigen, nährstoffreichen Böden wohl. Er liebt sonnige bis halbschattige Plätze, wo seine Wurzeln sich ungestört tief ausbreiten können.

Mit dem Ernte musst du dich nach der Pflanzung ein wenig gedulden. Erst im  zweiten und dritten Standjahr darf man die ersten Stängel abschneiden. 

Das Pflanzloch sollte mindestens doppelt so groß wie der Wurzelballen sein.
Nach dem Ausheben schütte ich Kompost in das Pflanzloch. So ist der junge Rhabarber gleich gut versorgt.
Einen Teil der ausgehobenen Erde mische ich in der Grube mit der Komposterde.
Je nachden wie fest der Wurzelballen ist, wird er mit den Händen eingedrückt oder eingerissen.
Sobald der Rhabarber ebenerdig im Pflanzloch hockt, fülle ich das Loch rundum mit Erde und trete sie vorsichtig an.
Ich liebe es mit der Harke, einen Gießrand aufzutürmen. Da kann ich mich Stunden mit beschäftigen...
Zu guter Letzt bekommt der Neuankömmling natürlich einen Guss verpasst. So wächst er gut an.

Der Rhabarber und seine Sortenvielfalt

Ist Rhabarber ein Obst oder ein Gemüse? Ich tippe, dass bei Umfragen 50 Prozent der Beteiligten sicher sind, das Rhabarber ein Obst ist.  Leider falsch…Rhabarber zählt zu den Gemüsen. Und zwar zu den wenigen, die den Winter gut überstehen und uns jahrelang beschenken! Zudem hortet das Gewächs aus der Familie der Knöterichgewächs in seinen Stängeln viele Mineralien, Vitamin B und C und ist kalorienarm. Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass man die Blätter von Rhabarber auf keinen Fall essen darf. Ihr hoher Gehalt an Oxalsäure hat nach der Einführung von Rhabarber im mitteralterlichen Europa einigen Menschen das Leben gekostet. Man kann sie aber sehr gut zum Mulchen gebrauchen!

Die klassischen Rhabarber-Sorten unterscheiden sich in Größe, Aussehen und Geschmack. Zu den bewährten grünfleischigen Sorten zählt ‘The Sutton’. Die mächtigste unter ihresgleichen schmückt sich mit halb grünen, halb roten 90 cm hohen Stielen. Eine schöne Alternative ist die Sorte ‘Esta’. Sie wird nicht ganz so groß, und ihr Fruchtfleisch punktet mit einer leicht säuerlichen Note.

Sehr beliebt ist die späte kanadische Sorte ‘Red Valentine’, dessen leckere Stängel durch und durch rot gefärbt sind. Sie gehört wie die 40-50 cm niedrigen Rhabarbersorten ‘Frambozen Rood’ (Himbeer-Rhabarber) und ‘Holsteiner Blut’ zu den rotfleischigen Sorten.  Die kurzen Sorten überzeugen mit einer milden Geschmacksnote.

Eine besondere Stellung innerhalb der Sorten nimmt ‘Livingstone’ ein. Da sie schnell wächst, kann man sie durchgehend bis zum Herbst ernten. säerlicheZu denZu denbewährten

2 Gedanken zu „Rhabarber braucht der Garten!“

  1. Rhabarber haben wir auch im Garten, und haben ihn auch schon vermehrt. Mir war aber nicht bewusst, dass es soviele Sorten gibt. Wieder was gelernt.

    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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